Belm/Schwagstorf. Ein zukunftsweisendes Infrastrukturprojekt ging an den Start: An der Pumpstation in Vehrte hat unser Verbandsvorsteher Rainer Ellermann eine 7,5 Kilometer lange Abwasserdruckrohrleitung in Betrieb genommen. Damit sorgen wir für Entsorgungssicherheit in der Gemeinde Belm.
Das Bauwerk verlängert die bereits zwischen der Kläranlage Belm und dem Pumpwerk Vehrte verlaufende Abwasserleitung nun bis zur Kläranlage in Schwagstorf. So wird es ermöglicht, vom Pumpwerk Vehrte aus das Abwasser je nach anfallender Menge sowohl wie bisher nach Belm als auch nach Schwagstorf zu leiten.
Hintergrund: Schon seit geraumer Zeit stieß die Kläranlage am Ortsrand von Belm an ihre Kapazitätsgrenzen. Um Abhilfe zu schaffen, wurden mehrere Szenarien betrachtet, darunter eine Erweiterung der vorhandenen Belmer Anlage, aber auch der Bau einer neuen Anlage zwischen Belm und Bissendorf. Der Blick übers Wiehengebirge zeigte die Alternative, die jetzt umgesetzt wurde: Die vorhandene Kläranlage in Schwagstorf ist ausreichend dimensioniert, sodass sie das Abwasser von Vehrte aufnehmen kann. Dieses muss somit nicht mehr in Belm geklärt werden, was die dortige Anlage erheblich entlastet.
Auf einer Strecke von 7,5 Kilometern wurden PE-Rohre mit einem Innendurchmesser von 168 Millimetern verlegt. Hinzu kamen Leerrohre für Glasfaserkabel – zum einen für die Übermittlung der Echtzeitdaten der Anlage an die Steuerung, zum anderen war der Wasserverband als Dienstleister tätig: Im Auftrag des Landkreises Osnabrück übernahm er im Rahmen der Erdarbeiten abschnittweise entlang der Strecke auch die Verlegung der Leerrohre für das allgemeine Glasfasernetz.
An der Pumpstation in Vehrte wurde eine Steuerung eingebaut, an der Kläranlage in Schwagstorf ein Schaltschrank zur Verbindung mit der Steuerung der Kläranlage selbst. „Die Druckrohrleitung arbeitet automatisiert volumengesteuert, um möglichst selten Pumpenstarts zu produzieren und damit sowohl den Energieverbrauch als auch den Verschleiß der Pumpen gering zu halten. Ein Zwischenpumpwerk war nicht erforderlich“, erklärt Jörg Klimasch, der als Ingenieur beim Wasserverband das Projekt mitgeplant hat.
Die Baummaßnahme wurde in Teilabschnitten realisiert, zeitweise waren die Teams vom Wasserverband auch an mehreren Punkten gleichzeitig im Einsatz – je nach Zugänglichkeit, Bodenbeschaffenheit und Witterung. Die Arbeiten erfolgten in offener Bauweise. Lediglich zur Unterquerung größerer Kreuzungsbereiche wie an der B 218 mussten Horizontalbohrungen vorgenommen werden. Auch wenn es sich vermeintlich „nur“ um eine Leitung handelt – Herausforderungen waren also durchaus gegeben.
Die größte technische Herausforderung lag in der Umsetzung des Steuerungskonzeptes angesichts der vorliegenden Topografie, bei der ja der Wiehengebirgskamm überwunden werden musste. Um nämlich einerseits eine Sedimentation im Rohr zu vermeiden und andererseits das Einströmen in die Kläranlage kontrolliert stattfinden zu lassen, muss die Durchflussgeschwindigkeit möglichst immer bei 0,7 Metern pro Sekunde liegen – und das bei allen Höhen und Tiefen des Wiehengebirges!
Die Bauzeit vom ersten Spatenstich bis zur Inbetriebnahme nahm ca. anderthalb Jahre in Anspruch; die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 1,05 Millionen Euro.
„Viel Geld, das aber nachhaltig investiert ist, denn die Leitung bietet sowohl bedarfsorientierte Flexibilität durch Vernetzung als auch eine erhebliche Kostenersparnis gegenüber den o. g. Alternativen, zumal Planung und Ausführung in Eigenregie erfolgen konnten“, beschreibt Uwe Bühning, Geschäftsführer des Wasserverbandes Wittlage, das positive Kosten-/Nutzen-Verhältnis des umfangreichen Projektes.
Und Marcus Hensing, allgemeiner Vertreter des Belmer Bürgermeisters Viktor Hermeler, lobt beim Vor-Ort-Termin die Maßnahme aufgrund ihrer Synergieeffekte als Leuchtturmprojekt: „Die neue Leitung bringt Entlastung für die Belmer Kläranlage, indem sie bestehende Anlagen einbezieht, d. h. auf vorhandenen Ressourcen aufbaut. Das ist nachhaltig und bringt nicht zuletzt Ersparnis für die Gebührenzahler."







