Brunnen

Einer geht mit der Wünschelrute übers Feld, sie schlägt aus und just an dieser Stelle wird fürderhin ein Brunnen die Menschen in der Umgebung mit frischem Wasser versorgen – ganz so einfach ist es nicht. Der modernen Trinkwasserförderung liegen umfangreiche Untersuchungen und technische Maßnahmen zugrunde – sowie strikte rechtliche Vorschriften.

Zunächst einmal kommt die Wünschelrute nur selten zum Einsatz. Heute beruht die Wahl eines Brunnenstandortes auf präzisen hydrogeologischen Untersuchungen. Diese liefern fundierte Daten, aus denen dann fachkundige Gutachten erstellt werden können Auf dieser Basis wird bewertet, ob der Standort langfristig geeignet und ausreichend ergiebig ist. Erst wenn diese fachlichen Prüfungen eine positive Einschätzung ergeben, kann dort dauerhaft Wasser zur Versorgung der Bevölkerung gefördert werden., 

Bevor eine Bohrung – auch zunächst zu Erkundungszwecken – durchgeführt werden darf, hat der Wasserversorger das Vorhaben nach dem Bundesberggesetz beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) anzuzeigen bzw. genehmigen zu lassen. Darüber hinaus ist bei der zuständigen Unteren Wasserbehörde eine Genehmigung für den Bau eines Brunnens zu beantragen. Eine dauerhafte Grundwasserentnahme zu Zwecken der Trinkwasserversorgung ist damit noch nicht verbunden; sie setzt vielmehr eine förmliche wasserrechtliche Bewilligung voraus. Diese erfolgt auf Grundlage des Wasserhaushaltsgesetz (WHG) sowie des Niedersächsisches Wassergesetz (NWG) und ist zwingende Voraussetzung dafür, dass ein Brunnen dauerhaft für die öffentliche Trinkwasserversorgung genutzt werden darf.

Am Beginn steht in der Regel eine Erkundungsbohrung mit anschließendem Pumpversuch. Dieser dient dazu, die hydraulischen Eigenschaften des Grundwasserleiters zu untersuchen und belastbare Aussagen über Ergiebigkeit, Absenkungswirkungen sowie mögliche Auswirkungen auf benachbarte Brunnen, Gewässer und Ökosysteme zu treffen. Die dabei gewonnenen Daten bilden die Grundlage für umfassende Gutachten. Neben Hydrogeologie und Hydrologie werden insbesondere Fachbeiträge aus Naturschutz, Bodenkunde und Land- und Forstwirtschaft einbezogen. So wird geprüft, ob die geplante Entnahme langfristig und nachhaltig mit wasserwirtschaftlichen, ökologischen, agrarstrukturellen und forstlichen Belangen vereinbar ist.

Neue Brunnen entstehen heute meist innerhalb bestehender Wassergewinnungs- oder Wasserschutzgebiete. Erforderlich werden sie etwa dann, wenn ältere Brunnen alters- oder nutzungsbedingt an Leistungsfähigkeit verlieren oder wenn der Wasserbedarf infolge von Bevölkerungsentwicklung steigt. Die Planung und Genehmigung eines neuen Brunnens ist damit ein interdisziplinärer Prozess, der weit über die reine Bohrtechnik hinausgeht und naturwissenschaftliche, landwirtschaftliche und rechtliche Aspekte gleichermaßen berücksichtigt, um die öffentliche Wasserversorgung dauerhaft und rechtssicher zu gewährleisten.

Exkurs: Grundwasserstand

Die Beurteilung von Veränderungen der Grundwassermenge – sei es infolge menschlicher Nutzung, klimatischer Einflüsse oder natürlicher Schwankungen – erfolgt über die kontinuierliche Beobachtung der Grundwasseroberfläche, also durch die Messung der Grundwasserstände. Diese Messungen dienen als zentraler Indikator für die hydraulische Situation des Grundwasserleiters und ermöglichen Rückschlüsse auf die verfügbare Grundwassermenge sowie auf die natürliche Neubildung. Bei der Planung von Bau- und Infrastrukturmaßnahmen müssen insbesondere die jahreszeitlich auftretenden Maximal- und Minimalstände berücksichtigt werden, um eine sichere Bemessung von Bauwerken zu gewährleisten und Schäden durch Über- oder Unterschreitung der Grundwasserstände zu vermeiden.

Mit regelmäßigen Messungen der Grundwasserstände wurde in Niedersachsen Anfang der fünfziger Jahre begonnen. Vorher erfolgten nur vereinzelt Grundwasserstandsmessungen. Im Laufe der Jahrzehnte kamen weitere Messstellen hinzu.

Die Grundwasserstände werden im Rahmen des Gewässerkundlichen Landesdienstes vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) gemessen.Zusätzlich betreiben viele Wasserversorger eigene Messstellen, um die Grundwasserstände kontinuierlich im Blick zu behalten und frühzeitig auf Veränderungen reagieren zu können.

Grundwasserstände sind natürlichen Schwankungen unterworfen und reagieren verzögert auf Niederschläge. Im Jahresverlauf zeigt sich ein typischer Rhythmus: Die höchsten Pegel werden meist im April oder Mai erreicht, da die Niederschläge im Winter weitgehend ungehindert durch den Boden versickern und das Grundwasser auffüllen können. Im Sommer hingegen ist die Neubildung des Grundwassers deutlich geringer: Ein Großteil des Niederschlags wird von Vegetation aufgenommen oder verdunstet, bevor er den Boden erreicht, sodass weniger Wasser ins Grundwasser gelangt. Diese natürlichen Schwankungen prägen den Jahresverlauf der Grundwasserstände.

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