Wassermanagement „Out oft the Box“ für die Obere Hunte

Internationale Studierende nahmen Flächen in Linne unter die Lupe und entwickelten ungewöhnliche Lösungsstrategien.

Bad Essen/Osnabrück. Anfang Mai konnten wir internationale Gäste bei uns willkommen heißen. Eine Gruppe von Studierenden und Dozenten unternahm gemeinsam mit Kai Holzgräfe, Gewässerökologe beim UHV 70, und Horst Kipp, Technischer Leiter beim Wasserverband Wittlage, eine Exkursion zu einer an der Hunte in Bad Essen-Linne gelegenen Fläche, die exemplarisch als Planungsraum für Hochwassermaßnahmen infrage kam.

Die Bereisung fand im Rahmen einer Blockwoche der Hochschule Osnabrück statt. Es handelte sich um eine interdisziplinäre Veranstaltung der Fachbereiche Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur (AuL) sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WiSo). Die Teilnehmenden kamen von der Hochschule selbst, die meisten der Studierenden aber über ein Erasmus-Programm von Hochschulen und Universitäten in Ägypten, Argentinien und Indonesien.

Während der Blockwoche widmeten sie sich Fragestellungen rund ums Wassermanagement. Vor allem untersuchten sie, wie man Flächen, die wechselweise Hochwasser und Austrocknung ausgesetzt sind, schützen bzw. bewirtschaften kann – ökologisch, sozial, ökonomisch.

Die Teilnehmenden beschäftigen sich in ihrem Bachelor- oder auch Masterstudium mit dem Thema Nachhaltigkeit – sei es unter betriebs- oder volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten, sei es im Hinblick auf resiliente Siedlungsentwicklung, sei es mit Schwerpunkt Wassermanagement. 

Die meisten der ausländischen Teilnehmenden kennen die Problematik von Überschwemmungen und Dürren aus ihren Herkunftsländern. Doch auch hierzulande werden wir aufgrund des Klimawandels immer mehr mit dem Phänomen konfrontiert, dass nach langen Trockenperioden Starkregenereignisse auftreten, und die ausgetrockneten und verhärteten Böden diese Niederschläge nicht hinreichend aufnehmen können, was dann zu Überschwemmungen führt. 

In Siedlungsgebieten geht es daher darum, weniger Flächen zu versiegeln. Im Naturraum sind andere Maßnahmen gefragt. So etwa an der oberen Hunte in der Ortschaft Linne. Sie war beim Jahrhunderthochwasser im Jahre 2010 stark betroffen, weshalb dort in der Folge die Unterhaltungsmaßnahmen entlang des Flusses intensiviert wurden. Nach einem weiteren Hochwasser 2016 wurde der Bau eines Rückhaltebeckens an der Hunte erwogen. Aufgrund naturschutzrechtlicher Gegebenheiten vor Ort erhielt das Vorhaben nicht die erforderliche Genehmigung. Denkbar wären aber Lösungen, die jederzeit die für das Gewässer und die darin lebenden Arten erforderliche Durchflussmenge und den Schutz des Naturraums sicherstellen.

Bei der Exkursion nahmen die insgesamt 22 Studierenden das Gebiet in Augenschein und entwickelten im weiteren Verlauf ihrer Blockwoche mit den Professoren Dr. Kai Michael Griese (WiSo) und Dirk Junker (AuL) sowie Ole Oßenbrink (Lehrkraft für besondere Aufgaben, ebenfalls AuL) Ideen „out of the box“: Losgelöst von etablierten wasserbaulichen Maßnahmen suchten sie nach Lösungen – sozusagen technologieoffen. 

Ihre Ideen präsentierten sie bei einer Abschlussveranstaltung in der Hochschule. In nur wenigen Tagen hatten vier Arbeitsgruppen beachtliche Konzepte entwickelt. 

Ein Regenrückhaltebecken, dessen terrassierte Eindeichung Energiegewinnung aus Wasserkraft ermöglicht, der Einsatz von speziellen Sickerblocksteinen aus Kunststoff, die das Wasser wie ein Schwamm aufnehmen und sukzessive abgeben – das waren die eher technischen Ansätze. Doch es gab auch Vorschläge, die das Thema Umweltbildung stärker betonten, etwa durch schwimmende Lehrpfade inmitten des Feuchtgebietes. Ideen für eine Picknickfläche, eine Fontäne, Baumhäuser, die man für das Naturerlebnis mieten kann, rückten den Freizeitaspekt noch mehr in den Mittelpunkt. 

Alle Entwürfe wurden nicht nur optisch ansprechend präsentiert, sie waren auch durchgerechnet. Sowohl Bau- als auch Unterhaltungskosten, aber auch Einnahmen aus Eintritt oder Logis waren von den Studierenden kalkuliert worden, allerdings in der Kürze der Zeit nur auf Erfahrungswerten und dem kurzen Besuch vor Ort fußend. 

Wie unsere Ingenieure aus Erfahrung wissen, zeigen örtliche Bedingungen, bauliche Erfordernisse wie auch aktuelle Preise häufig andere Dimensionen auf. Dennoch waren sich Kai Holzgräfe und Horst Kipp einig, dass einige der präsentierten Ideen durchaus im untersuchten Gebiet, aber vielleicht auch an anderer Stelle eine Umsetzung finden könnten. 

Die beiden betreuenden Professoren sind in Bad Essen übrigens keine Unbekannten: 

Professor Junker gehörte zu den Planern der Landesgartenschau 2010 und ihrer unverwechselbaren Sole-Arena. Professor Dr. Griese hat gemeinsam mit Prof. Dr. Werner und Prof. Dr. Franz anhand des Historischen Marktes untersucht, wie sich der Klimawandel auf Freiluftveranstaltungen auswirkt und welche Anpassungen angeraten sind.


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